Unser Streik vom Juli 2008 (21.07. - 23.07.2009)
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Erklärung
zum
beendeten fast zweitägigen selbständigen Streik der Continental- Kolleginnen
und Kollegen (früher Siemens-VDO)
Wir
haben zwar nicht alles erreicht – aber wir können auf uns stolz sein!
Ende April
2008 wurde uns auf einer gemeinsamen Betriebsversammlung vom Vorstand des
Continental-Konzerns mitgeteilt, dass der Unternehmensbereich „Sensorik“
(Werk 2) am Standort Dortmund mit ca. 200 Arbeitsplätzen in Billiglohnländer
verlagert werden soll. Der Unternehmensbereich „Füllsysteme“ und
„Ersatzbedarf“ (Werk 1) mit ca. 1000 Arbeitsplätzen soll verkauft werden.
Mitten in
der Urlaubszeit wurde den Beschäftigten der Sensorik mitgeteilt, dass ihre
Arbeitsplätze mit
Beginn April 2009 vernichtet werden sollen. Das gesamte „Verlagerungszenario“
sollte dann bis Ende 2010 abgeschlossen sein. Ebenso wurde ein Rahmensozialplan
von Konzernleitung und Gesamtbetriebsrat ausgehandelt, der in keinster Weise den
Interessen der Kolleginnen und Kollegen entsprach.
Die
Kolleginnen und Kollegen des Unternehmensbereichs Sensorik haben nach 1 ½
Wochen intensivster Auseinandersetzungen beschlossen, mit Beginn 21.7.2008 um 14
Uhr in den selbständigen Streik für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze in den
selbständigen Streik zu treten. Von vorneherein war eine wichtige Losung der
streikenden Kolleginnen und Kollegen, dass es keine Maßregelungen gegenüber
den Streikenden geben darf. Einer für alle – alle für einen! Wurde eine
wichtige Losung der Streikenden!
Die
Kolleginnen und Kollegen wurden darauf hin nach kurzer Zeit von der
Unternehmensleitung ausgesperrt. Einige wenigen Kolleginnen und Kollegen, welche
weiter gearbeitet hatten, wurden nach Hause geschickt und die Werkshalle
abgeschlossen. Nachdem sich die Streikenden bei strömendem Regen unter einem
Vordach eingerichtet hatten, wurden sie von der Personalchefin des Werkes
verwiesen. Die ausgesperrten Kolleginnen und Kollegen bauten dann mit Hilfe der
einsetzenden Solidarität der Bevölkerung und Kollegen anderer Betriebe ein
Solidaritätszelt am Tor auf. Lokalradio und örtliche Presse begannen mit einer
positiven Berichterstattung zu diesem mutigen Schritt und machten dies über den
Betrieb hinaus in der Region bekannt.
Überwältigend
war die Solidarität von den verschiedensten Betrieben, Gewerkschaftsvertretern,
Parteivertretern, dem Frauenverband Courage usw. aus der Umgebung, aber auch aus
der ganzen Bundesrepublik! Selbst aus Mexiko erhielten wir Solidaritätsgrüße!
Besonders positiv wurde die emsige Arbeit des „Solidaritätskreises mit dem
Kampf der Conti-VDO-Kolleginnen und Kollegen“ von den Kolleginnen und Kollegen
begrüßt. Er machte den Streik bekannt und versorgte uns mit allen notwendige
Sachen gegen Hunger, gegen Durst und Sommerkälte! Viele Kolleginnen und
Kollegen waren begeistert davon, welche Unterstützung ihr mutiger Schritt bei
den Menschen in der Region auslöste! Bis Dienstag Abend wurden schon 1 400,-
€ Spenden für die Streikenden gesammelt!
Nach zwei
Tagen begann der Streik auch ökonomisch Wirkung zu zeigen. Nach nicht einmal
zwei Tagen stand für die Unternehmensleitung auf dem Spiel, dass verschiedene
Kunden der Auto- bzw. der Autozulieferindustrie zum Stehen kommen! Die
Unternehmensleitung unternahm vor allem in dieser Situation vermehrt
Anstrengungen, die Belegschaft zu spalten:
●
Im Werk 1 wurden
verbreitet, dass jeder der sich dem Kampf anschließen wolle, mit der Kündigung
zu rechnen hätte.
●
Der Streikenden
wurden diffamiert: „Sie seien von der MLPD bzw. der Roten Fahne gesteuert. “
●
Den gewählten
Streiksprechern bzw. der gewählten Streiksprecherin wurde immer wieder
versucht, eine „Rädelsführerschaft “zu unterstellen.
Alle diese
Angriffe konnte die Belegschaft nach oft kontroverser, aber solidarischer
Diskussion zurückweisen. Am Dienstag Abend stellte die Geschäftsführung der
Mittagschicht das Verhandlungsergebnis vor. Das war verbunden an die Anweisung,
am Mittwoch früh (6 Uhr) die Arbeit wieder aufzunehmen. Dagegen nahm sich die
Belegschaft das Recht, selber bei einer Abstimmung unter den Kolleginnen und
Kollegen am Solidaritätszelt gegen 8 Uhr über den weiteren Weg abzustimmen.
Eine knappe Mehrheit sprach sich dabei dafür aus, weiter zu streiken. Dies
reichte unter den gegebenen Umständen - wir hätten uns dann mit den größten
Automobilbossen der Welt angelegt! - nicht für eine Weiterführung des
Streikes. Deshalb wurde nach einigen Tränen, Diskussionen und Gesprächen, die
Arbeit von der Frühschicht um 9 Uhr wieder aufgenommen!
Die
Meinungen zu dem Ergebnis sind sehr unterschiedlich:
●
„ Wir hatten
jetzt den Trumpf des Streikes und der Solidarität der Bevölkerung in der Hand.
Wenn wir weiter gemacht hätten, hätten wir auch den Erhalt zumindest einiger
Arbeitsplätze durchsetzen können. “
●
„ Zufrieden
kann keiner sein, aber wir haben das durchgesetzt, was möglich war. “
Auf eines
sollten wir aber auf jeden Fall stolz sein. Wir 200 Frauen und Männer haben es
gewagt, uns mit dem fünftgrößten Automobilzulieferkonzern der Welt anzulegen,
weil dieser beschlossen hatte unsere Arbeitsplätze zu vernichten. Und wir haben
uns das Recht genommen in den selbständigen Streik zu treten. Wir haben
zusammen gehalten bis zum Schluss! Das soll uns erst einmal einer nach machen!
Dortmund,
23.07.08
Kurzfassung
der wesentlichen Ergebnisses der Verhandlungen des Betriebsrates mit Conti:
●
Bis Januar 2010
läuft die Produktion von Continental „Sensorik “in Dortmund unverändert
weiter.
●
Das
„Verlagerungsszenario “beginnt „“im Februar 2010 und endet Mitte 2010.
●
Es wird eine
Transfergesellschaft eingerichtet die 19 Monate dauert und von den Kolleginnen
und Kollegen in Anspruch genommen werden kann. In dieser Zeit erhalten die
Beschäftigten 80 % vom vorherigen Nettolohn.
●
Falls Kollegen
früher aus der Transfergesellschaft ausscheiden, erhalten sie pro Monat des
früheren Ausscheidens 700 € brutto zusätzlich.
●
Wer die
Transfergesellschaft nicht in Anspruch nimmt erhält 10 % der Abfindung zusätzlich
(ist schon Teil des Rahmensozialplans).
●
Der
Rahmensozialplan sieht vor, dass jeder Anspruch auf eine Abfindung in Höhe
von: Bruttolohn x Arbeitsjahre x Faktor hat. Der Faktor berechnet sich nach
dem Alter. Er ist auf jeden Fall unter 1. Ab 54 Jahre aufwärts ist er 0,98.
Pro Arbeitsjahr weniger sinkt der Faktor um 0,02 – und damit auch die
entsprechende Abfindung.
●
Keine Maßregelung
der Streikenden und Bezahlung der Streikzeit (bei Wiederaufnahme der Arbeit am
23.7. 9 Uhr).